HIFIJET im Spagat

Großes Format und kleine Punkte

Auszug aus der Zeitschrift "Digitaldruck" 2/99


Dem Großfoto den Rang ablaufen? Der Hifijet von Roland druckt mit 1440 dpi Auflösung. Sechs Farben liefern scharfe Bilder. Test des LFP-Piezodruckers
Roland Hi-Fi Jet mit sechs Farben
Druckkopf mit der Zufuhr der 6 Farbschläuche

Die Lady lächelt. Ein bisschen verkrampft, doch immerhin. Jedes Puderkorn und jede Hautpore der blonden Schönheit ist selbst unter der Lupe deutlich gezeichnet. Das ist beachtlich für ein Poster in dieser Größenordnung: Die Auflösung von 300 dpi war bis vor kurzem bei AO-Plakaten das Nonplusultra. Jetzt sehen sie Großfotos zum Verwechseln ähnlich.

Eine Reihe von Druckerherstellern setzt mittlerweile auf 720 dpi und mehr. Die großformatige Piezodruckmaschine Hifijet gehört zu ihnen. Roland beschreitet mit ihr einen anderen Weg. Bisher machte der japanische Hersteller mit den Tintenstrahlern der Cammjet Serie von sich reden. Die Neue unterscheidet sich in zwei wesentlichen Dingen: Sie basiert anstelle von vier nunmehr auf sechs Grundfarben. Die Auflösung reicht von 180 bis 1440 dpi. Das stellt im LFP-Druckermarkt zu diesem Zeitpunkt eine Premiere dar.

Hohe Qualität bei schmalem Durchsatz

Die aufsehenerregende Auflösung fordert jedoch ihren Tribut. Der Preis ist mit der Zeit gleichzusetzen, die vergeht, bis ein Spitzenbild in den Auffang fällt. Ein AO-Ausdruck mit 720 dpi verschlingt schon eine dreiviertel Stunde an reiner Druckzeit. Das Rippen schlägt mit fast ebenso vielen Minuten zu Buche. Daher eignet sich die Druckanlage für Dienstleister, die mehr auf Qualität achten und weniger einen hohen Durchsatz produzieren. Somit ist der Hifijet das ideale Zusatzgerät, um bestehende Systeme zu ergänzen. Etwa in Fotofachlaboren, Vorstufenbetrieben, Werkstätten von Werbetechnikern, Grafikabteilungen im Handel und in der Industrie sowie in Druckereien. Gerade für sie bietet sich die Möglichkeit des Proofs an: Sie können den Großformatdruck als Alternative zu teuren analogen Andrucken nutzen. Zwar hapert es noch daran, ein Offsetraster mit dem Hifijet-Drucker exakt zu simulieren. Doch die Farbwiedergabe kann dem Kunden schon einen genauen Eindruck vermitteln, wie die spätere Auflage wirken wird.

Der Druckmodus

Der Hifijet kommt in zwei Modellvarianten auf den Markt: FJ-50 mit 132 Zentietern und FJ-40 mit 107 Zentimetern Arbeitsbreite.Hif'ljet-Piezodrucker in Aktion Die Sechskopf-Piezodrucktechnik, die Roland einsetzt, beruht auf einer Entwicklung des Herstellers Epson. Folgende Parameter sind für die Ausgabequalität ausschlaggebend:

1. die Auflösung

2. der Verfahrweg des Druckkopfes

3. die Durchläufe des Druckkopfes.

Roland Hi-Fi Jet in Aktion
Hifijet-Piezodrucker in Aktion
Die Auflösung

Der Drucker kann zwei Tintentropfengrößen realisieren - "variable dots" liest man oft in den Prospekten: Der Hi-fijet druckt bis zur Auflösung von 360 dpi mit der identischen Tintenmenge. Die ausgestoßenen Tropfen sind immer gleich groß. Der Unterschied zwischen 180 und 360 dpi besteht im Abstand zwischen den Druckpunkten. Die Tropfen schrumpfen bei 720 dpi. Ein Ausdruck mit 1440 dpi entsteht, wenn zwischen den 720 dpi Zeilen eine weitere Zeile versetzt gedruckt wird. Diese Tintentropfen sind um ein Fünftel kleiner. Der Vorschub wird verringert, um sie an der richtigen Stelle zu plazieren. Die Ausgabegeschwindigkeit verlangsamt sich dadurch drastisch.

Der Verfahrweg des Druckkopfes

Hier geht es um die Fahrtrichtung des Druckkopfes: Der Hifijet druckt nicht nur von links nach rechts und fährt dann wieder an die Ausgangsposition zurück. Die Druckmaschine ist in der Lage, von links nach rechts und von rechts nach links zu arbeiten. Die Option, zwischen uni- und bidirektional zu wählen, verändert sowohl die Druckzeit als auch die Qualität.
Das erstaunt. Sollte man doch denken, bei der gleichen Auflösung hätte der Richtungswechsel nur Auswirkungen auf das Drucktempo. Zunächst verkürzt sich die Ausgabezeit beim bidirektionalen Drucken. Trotzdem lassen sich unter dem Fadenzähler minimale Streifen erkennen. Der Versatz des Druckkopfes ist mit dem bloßen Auge nicht auszumachen. Winzige Streifen sind laut der Aussage des Distributers systembedingt. Es soll verhindert werden, dass die Tinten übereinanderge-druckt werden.


Die Durchläufe des Druckkopfes

Die Angabe des "Passes" gibt Aufschluss über die Anzahl der Durchläufe, die der Druckkopf für den Farbauftrag benötigt. Wenn die Düsen über die volle Breite des Druckkopfes drucken, spricht man vom Single-Pass-Modus. Beim 8-Pass-Modu muss er achtmal hin- und herfahren, bis er das gleiche Ergebnis erzielt hat. Dabei ist nur der achte Teile desc Druckkopfes aktiv und der Vorschub entsprechend geringer. Je mehr Durchgänge, desto mehr Zeit benötigt der Drucker und desto einheitlicheher erscheint das Druckbild.

Vergleich der Druckarten des Hifijet Druckmodus Druckrichtung Auflösung + Passanzahl
Druckgeschwindigkeit Min/qm
Draft
Bidirektional
180 dpi / l Pass
6,48
9,37
Unidirektional
Fast
Bidirektional
360 dpi / 2 Pass
12,21
Unidirektional
17,21
Normal
Bidirektional
360 dpi/4 Pass
22,31
Unidirektional
33,23
Fine
Bidirektional
720 dpi / 4 Pass
24,14
Unidirektional
34,43
Super
Bidirektional
720 dpi / 8 Pass
38,28
Unidirektional
58,05
Photo
Bidirektional
1440 dpi /l6 Pass
77,28
Unidirektional
117,44
Anmerkung: Es handelt sich um Herstellerangaben, die meist ein wenig knapp bemessen sind

 

Der Drucker im Praxistest

Nun wollen wir sehen, ob die angekündigte Qualität hät, was sie verspricht. Bei zwölf verschiedenen Druckarten haben wir die gängigisten von 360 und 720 dpi ausprobiert. Leider war der 1440 dpi Ausdruck nicht möglich, da die entsprechenden Treiber für das eingesetzte Software-RIP noch nicht fertig waren. Das an sich im Lieferumfang enthaltene Roland ColorChoice RIP, das dafür ausgelegt ist, stand aus organisatorischen Gründen für den Test nicht zur Verfügung.

Vorbereitet wurden die Testdateien in der Software Postershop von Onyx. Der Hinweis auf das verwendete Programm ist wichtig, schließlich gibt es Soft- und Hardware-RIPs, die gleichzeitig rechnen und drucken. Andere RIP-Zeiten würden sich daraus ergeben. Die Systemumgebung stellt ein 450 Megahertz Rechner mit 256 MB RAM und SCSI II Schnittstelle dar. Die Rechengeschwindigkeit sinkt bei geringer konfigurierten Computern.

Der Druckbereich der Testdatei ist ein Meter breit und 21 Zentimeter lang. Das Motiv stellt die kühle Blonde im A4-Format dar, rechts und links flankiert von einfarbigen Rändern. Die Maschine startet sofort bei den umfangreicheren Dateien für die 720 dpi Ausdrucke. Der Hifijet puffert bei den kleineren 360 dpi Dateien den gesamten Auftrag, bevor er druckt. Die Druckköpfe werden vor dem Start automatisch gereinigt urtd:die Tinte angesaugt. Die Druckanlage streikt, wenn kein Papier eingelegt ist.

Sensoren stellen die Medienbreite automatisch fest. Eine selbstklebende glossy Vinyl-folie in diesem Fall.

Hier die Stopuhr Ergebnisse:

1. 720 dpi 8-pass Modus, bidirektional RIP-Zeit:5,16Min. Druekzeit: 9,30 Min.

2. 720 dpi 8-pass Modus, unidirektional RIP-Zeit:5,16Min. Druckzeit: 13,40 Min.

3. 360 dpi 4-pass bidirektional RIP-Zeit: 1,30 Min. (logisch, nur ein Viertel der Daten werden geschrieben) Druckzeit: 5,25 Min.


4. 360 dpi 2-pass Modus, bidirektional RIP-Zeit: 1,30 Min. Druckzeit: 3 Min.

Feinheiten mit der Lupe betrachtet

Es wäre untertrieben, die 720 dpi Ausdrucke nur als anständig zu bezeichnen. Sie sind in der Tat außergewöhnlich: brillante und saubere Farben, die Tinte trocknet sofort. Allerdings gibt es sicherlich leisere Drucker. Auch möchte man nicht unbedingt neben der Druckmaschine sitzen. Die eingesetzten Glykol-Tinten jucken auf Dauer in der Nase.

Die Ausdrucke 1 und 2 gleichen sich auf den ersten Blick. Die Unterschiede offenbaren sich unter der Lupe und dann fast nur auf den einfarbigen Flächen. Die beste Qualität ohne nur ein Mikron Versatz und ohne der Spur eines Streifens bietet der Druckmodus 720 dpi 8-Pass unidirektional. Der Versatz bleibt bei 360 dpi mit dem Auge bei einem Betrachtungsabstand von einem halben Meter erkennbar. Von weiter weg fallt er nicht mehr auf.


Der Hifijet druckt durch die Druckwegoptimierung monochrome Fläche schneller als vierfarbige Motive. Befinden sich weiße Stellen im Layout, fährt der Druckkopf beschleunigt zum Ansatz des Fotos. Nachträglich den Nullpunkt zu definieren, ist nicht machbar. Dafür ist es jedoch möglich, mit dem Positioniercursor am Drucker selbst einen beliebigen Nullpunkte anzusteuern. Das lohnt sich, wenn Papierrollen, die nur halb bedruckt wurden, ausgenutzt werden sollen.


Prinzip der Druckauflösung des Hifi-Jet
Hauptsächlich mit Pigmenttinte drucken

Der Drucker ist laut Herstellerangabe sowohl für Farbstoff- als auch für Pigmenttinten ausgelegt. De facto handelt es sich um einen Drucker für Pigmenttinten. Farbstofftinten mit den sechs Farben CMYK sowie Orange und Grün zu drucken, ergibt wenig Sinn. Schließlich wurden die Sechsfarbendrucker für Pigmenttinten entwickelt. Sie sollen nämlich Farbräume darstellen, die Farbstofftinten bereits mit vier Farben erreichen.

Die Tintenbehälter fassen 220 Millimeter pro Farbe. Der Drucker warnt, wenn die Tinte zur Neige geht. Die Reserve reicht für etwa einen Quadratmeter. Die Farbe gluckert vakuumverpackt in einer Kunststoffhülle. Es muss mit dem Teufel zugehen, wenn man sich an den Cartridges die Finger schmutzig macht. Die alte Kartusche wird herausgezogen und die neue Patrone hineingeschoben, bis sie einrastet. Da die Farbbehälter kodiert sind, passen sie Jeweils nur in eine einzige Schiene.

Eine frische Kartusche ist sofort gebrauchsfertig. Sie muss nicht aufgeschüttelt werden. Bei Bedarf - wenn über Nacht gedruckt werden soll - kann der Dienstleister die fast leeren Kartuschen gegen volle jederzeit austauschen. Allerdings gestalten sich die Angaben über den Tintenverbrauch immer schwierig: Im Schnitt reicht ein Farbsatz für rund hundert Quadratmeter Druck.

Tropfengröße
Darstellung der unterschidlichen Tropfengrößen des Hi-Fi Jet
12 Materialien: Und es werden mehr

Für den Hifijet gibt es eine Pantone/Hexachrome Zertifizierung. Danach sind 90 Prozent aller Pantone-Farben mit diesem System reproduzierbar. Der Hersteller Roland hält für die von ihm freigegebenen Materialien keine Kalibrierungen parat. Mit bisher zwölf Medien und zwölf Druckmodi kommt einiges zusammen. Abhilfe leistet jedoch der Distributer Bitcon aus Köln mit Farbprofilen für eine Reihe von Standardmaterialien.

Vertrackt kann das Kalibrieren von Backlit-Materialien für hinterleuchtete Poster werden. Weniger das Papier als die verwendete Lampe bestimmen den Farbeindruck. Wer ganz genau vorgeht, sollte die Lichttemperatur der Lichtquelle messen. Eine andere Sache ist: Die Farben eines 360 dpi Drucks erscheinen heller, als die eines 720 dpi Ausdrucks, wenn sie nicht angeglichen werden. Die Farbkorrekturen werden über das Software-RIP gesteuert.

Der Drucker wird zur Zeit des Redaktionsschlusses von folgenden Software-RIPs unterstützt: Colorgate, Best, Wasatch, Onyx, Dunaway (nur für Mac) und das Dobtec
Hardware-RIP MacRIP. Es klingt, als handle es sich um ein reines RIP für den Mac. Weit gefehlt. Die Abkürzung steht für Multi Application Colour RIP. Das System füngiert wie ein Server und kann plattformübergreifend eingesetzt werden. Vorteil: Man kann direkt aus den Anwendungen drucken.


Das Urteil

Das Drucksystem des Hifijet von Roland ist ausgereift und funktioniert. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil am Markt. Momentan bietet der Hifijet mit die höchste Auflösung unter den Großformattintenstrahlern. Die Tinten trocknen schnell, dank des sparsamen Farbauftrags sind die Tinten keine Sparbüchse. Ein Fogra Gutachten zur UV-Beständigkeit der Tinten im Außenbereich liegt beim Distributer vor. Die Druckergebnisse brauchen den Vergleich mit Großfotobelichtungen auf keinen Fall zu scheuen.

Technische Daten der Hifijet-Drucker
Name
FJ 50
FJ 40
Drucktechnik
6-farbenPiezoinkjet uni + bidirektional
Druckauflösung
I180, 360, 720, 1440 dpi
Druckbreite
1320 mm
1066 mm
Materialbreite
210 - 1350 mm
210 - 1125 mm
Tinten
Pigmenttinte CMYK + Orange + Grün
Pigmenttinte CMYK + LC (Light Cyan) + LM (Light Magenta) Farbslofftinte CMYK + LC (Light Cyan) + LM (Light Magenta) 220 ml pro Farbe
Haltbarkeit
Outdoortinte bis Jahre UV beständig
Drucktreiber
Roland ColorChoice RIP: Adobe PostScript 3; Win 95/ NT Mac
Medien
z. Zt 12 Sorten von der Rolle: u.a. Bannerpaier, wasserbeständiges Outdoorpapier (glossx und selbstklebend) feuerbeständiges Papier, Tyrek, selbstklebendes vinyl, Canvas - textiler Bedruckstoff, Universaltransferpapier
Preis
32.900 DM
30.900 DM
lieferbar seit Februar 99 Lieferumfang: ColorChoice RIP-Treiber, ein Jahr vor Ort Service und eine kostenlose wartung nach einem halben jahr. Fast-Print-Box, alle benötigten Anschlußkabel, 1 Satz Pigmenttinten CMYK+ Orange + Grün
Auszug aus der Zeitschrift "Digitaldruck" 2/99

Roland Hifijet bei Astec4u
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29.10.2007